top of page

ESA Ausschreibung: Forschung in der Mikrogravitation mit dem Orbital High-Throughput Screener (OHTS)

29. Sept.
2 Min. Lesezeit

Die Europäische Weltraumorganisation (ESA) hat gemeinsam mit Exobiosphere eine neue Ausschreibung für biomedizinische Forschung in der Mikrogravitation veröffentlicht. Im Mittelpunkt steht der Einsatz des Orbital High-Throughput Screeners (OHTS), eines automatisierten Weltraumlabors, das künftig auf der Raumstation Haven-1 betrieben werden soll. Ziel der Ausschreibung ist es, innovative Forschungsprojekte zu ermöglichen, die die besonderen Bedingungen der Mikrogravitation nutzen, um biologische Prozesse besser zu verstehen und neue Ansätze für Medizin und Gesundheitsforschung zu entwickeln.

 

Mikrogravitation beeinflusst zahlreiche biologische Prozesse auf eine Weise, die auf der Erde nicht oder nur sehr eingeschränkt beobachtet werden kann. Dazu gehören beschleunigte Alterungsprozesse, Veränderungen der Genexpression, Anpassungen von Zellfunktionen sowie Veränderungen in Herz-Kreislauf-, Muskel- und Knochensystemen. Diese Effekte können genutzt werden, um Krankheitsmechanismen schneller zu erforschen und potenzielle Therapien effizienter zu testen.

 

Ein wesentlicher Vorteil der neuen Plattform besteht darin, dass biologische Experimente vollständig automatisiert durchgeführt werden können. Der Orbital High-Throughput Screener übernimmt Zellkultur, Medienwechsel, Wirkstoffzugabe, Bildgebung und Analyse ohne Eingriffe der Besatzung. Dadurch werden deutlich größere Versuchsreihen möglich als bei bisherigen biologischen Experimenten im Weltraum.

 

Die Ausschreibung richtet sich insbesondere an Forschungsvorhaben aus den Bereichen:

  • Neurowissenschaften und Alterungsforschung

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Blutbiologie

  • Onkologie und Krebsforschung

  • Immunologie und Entzündungsprozesse

  • Muskel- und Knochenforschung

  • Regenerative Medizin und Stammzellforschung

  • Organoid- und Gewebemodelle


Im Fokus stehen Forschungsfragen, die von den besonderen Bedingungen der Mikrogravitation profitieren oder nur im Weltraum sinnvoll untersucht werden können. Die Plattform unterstützt unter anderem Untersuchungen zu Neurodegeneration, Krebsentstehung und Metastasierung, Immunreaktionen, Muskelabbau, Knochenverlust sowie Stammzell- und Organoidmodellen.

 

Die Experimente werden auf standardisierten 96-Well-Mikrotiterplatten durchgeführt und können automatisierte Mikroskopie-, Fluoreszenz- und Lumineszenzanalysen nutzen. Die missionsspezifische Versuchsdauer beträgt zunächst 8 bis 10 Tage, kann unter bestimmten Voraussetzungen jedoch auf bis zu 30 Tage erweitert werden.

 

Die Ausschreibung adressiert sowohl die wissenschaftliche Exzellenz der Projekte als auch deren Beitrag zu den Zielen der ESA-Strategie Explore2040. Bewertet werden insbesondere die wissenschaftliche Relevanz, die methodische Qualität, die technische Machbarkeit sowie der langfristige Nutzen für die Gesundheitsforschung und zukünftige Explorationsmissionen.

 

Antragsstellende werden zudem aufgefordert, frühzeitig ihre jeweilige nationale Raumfahrtagentur einzubinden, um mögliche nationale Fördermöglichkeiten und Unterstützungsmaßnahmen zu prüfen.

 

Wichtige Termine:

  • Veröffentlichung der Ausschreibung: 22. September 2026

  • Virtuelle Q&A-Veranstaltung: 14. Oktober 2026

  • Einreichung der Projektvorschläge: gemäß Ausschreibungsunterlagen

  • Geplante Durchführung auf Haven-1: nach Abschluss der Auswahl- und Vorbereitungsphase


Weitere Informationen finden Sie hier.



 
 
 

Kommentare


bottom of page