ESA - Request for Information zur Pathophysiologie der Venenthrombose: Forschung, diagnostische Innovationen, Behandlungsmöglichkeiten und potenzielle Gegenmaßnahmen für die Raumfahrt und Weltraum
- 31. März
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Das Human Research Program (HRP) der National Aeronautics and Space Administration (NASA) und das Exploration Science Office der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) bitten um Informationen zur Anwendung bestehender, verbesserter oder neuartiger Ansätze zur Risikominderung, Überwachung und/oder Behandlung von Venenthrombosen (VT) während Weltraumflügen und Weltraumerkundungsmissionen. Dieses Thema umfasst medizinische Vorabuntersuchungen, Überwachungsansätze, Gegenmaßnahmen und Behandlungsstrategien.

Der Hintergrund des Request for Information (RFI) basiert auf einem erstmals dokumentierten Fall einer Venenthrombose in der inneren Halsvene eines Astronauten auf der ISS. Die Thrombose wurde zufällig entdeckt, erfolgreich im All behandelt und bildete sich nach der Rückkehr zur Erde vollständig zurück. Da der Fall zunächst symptomlos war, besteht die Sorge, dass ähnliche Fälle bislang unentdeckt geblieben sein könnten. Infolge dieser Entdeckung wurden umfassendere medizinische Untersuchungen und Überwachungsmaßnahmen für Astronaut:innen eingeführt, darunter genetische Tests, MRT-Untersuchungen sowie Ultraschallkontrollen vor und während der Mission. Gleichzeitig zeigen Studien, dass Veränderungen im venösen Blutfluss unter Schwerelosigkeit häufiger auftreten könnten als bisher angenommen. Früher galt dieses Risiko als vernachlässigbar, doch aktuelle Forschung untersucht nun gezielt die Ursachen und Mechanismen von Thrombosen im All. NASA und ESA treiben dazu gemeinsam weiterführende Studien voran, etwa zur zerebralen Venendrainage und zu relevanten Biomarkern. Auch wenn bislang nur ein bestätigter Fall während einer Langzeitmission aufgetreten ist, zeigen Experimente unter Schwerelosigkeit und in analogen Umgebungen Hinweise auf gestörten Blutfluss. Für zukünftige Missionen zum Mond und Mars ist das besonders kritisch, da medizinische Ressourcen dort stark eingeschränkt sein werden.
Daher besteht ein dringender Bedarf an präventiven Maßnahmen und geeigneten Behandlungsmöglichkeiten. Erste Ansätze wie Unterdrucksysteme oder Kompressionslösungen werden bereits getestet, reichen aber noch nicht aus. Vor diesem Hintergrund suchen NASA und ESA nach neuen, praktikablen Lösungen zur Überwachung, Prävention und Behandlung von Thrombosen unter den besonderen Bedingungen der Raumfahrt.
Ziel des RFI ist es, Informationen und Lösungsansätze zu sammeln, die NASA und ESA bei der Planung zukünftiger Programme und Beschaffungsstrategien unterstützen. Die eingereichten Beiträge werden vertraulich und ohne Zuordnung zu einzelnen Organisationen ausgewertet und nicht öffentlich gemacht. Gesucht werden insbesondere Vorschläge, wie Venenthrombosen in der Raumfahrt besser überwacht, verhindert oder behandelt werden können. Dabei sollen sowohl bestehende als auch neue Technologien berücksichtigt werden – für Anwendungen im erdnahen Orbit ebenso wie für zukünftige Missionen zum Mond und Mars, bei denen Ressourcen, Platz und medizinische Möglichkeiten stark eingeschränkt sind. Darüber hinaus sind Empfehlungen für zukünftige Forschungsansätze gefragt, sowohl in der Raumfahrt selbst als auch in analogen Umgebungen wie Parabelflügen oder bodengebundenen Studien. Methodisch liegt der Fokus unter anderem auf der Auswertung vorhandener Daten (z. B. Ultraschall), der Analyse von Biomarkern, der Entwicklung mobiler Diagnostiklösungen für den Einsatz im All sowie neuen Technologien zur Untersuchung des Blutflusses.
Die Einreichungen sind dabei auf maximal 4000 Zeichen begrenzt.
Die Einreichungsfrist endet am 15. April 2026 um 23:59CET
Weitere Informationen finden Sie unter: https://ideas.esa.int/core/servlet/hype/IMT?userAction=Browse&templateName=&documentId=2518bf57a567fcd57e5c4aebd017fa33




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